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Keine Kartenzahlung möglich

Keine EC-Kartenzahlung

Gerade schreibe ich einen Blogartikel. Den habe ich mit einem Warnhinweis ausgestattet: "Keine Kartenzahlung möglich". Nein, nein, keine Sorge. Ihr müsst nicht bezahlen, um den Artikel zu lesen, liebe/r Leser/in. Ebenso muss ich nicht bezahlen, um ihn zu schreiben. Jedenfalls nicht über die Beträge hinaus, die ich für mein Hosting sowieso bezahle. Trotzdem ist die Aussage richtig. Ich schreibe, Ihr lest, beides ist möglich, obwohl niemand von uns in dieser Zeit mit der Karte bezahlt.

Den Hinweis habe ich zuletzt häufiger gesehen: "Keine Kartenzahlung möglich". Er soll mich als Kunden, so vermute ich, darauf hinweisen, dass ich meinen Einkauf nur mit Bargeld bezahlen kann. Doch tut er das wirklich?

Dazu passt die Meldung, die ich vor einigen Tagen im Radio gehört habe: "Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde ist die beste Kilowattstunde. Jeder nicht verbrauchte Liter Öl ist der beste Liter Öl." Energiesparen ist angesagt. Kommt vom Bundeswirtschaftsministerium.

Was hat beides miteinander zu tun? Negierungsschwäche!

Ich beginne mit der Kartenzahlung. Wenn ich einkaufen gehe, Schuhe beispielsweise, habe ich ja häufig die Wahl: Geldscheine auf den Tisch legen oder Plastikkarte zücken. Barzahlung oder EC-Karte. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Optionen bei Online-Käufen: PayPal, Kreditkarte, Sofortüberweisung, Apple-Pay, AliPay und SonstwasPay. Zuletzt ging aber häufig nur Barzahlung, wenn ich live und in echt im Geschäft oder in der Tankstelle stehe. Kartenzahlung geht gerade nicht, vielerorts, deutschlandweit. Ob russische Hacker dahinter stecken oder chinesische weiß niemand. Oder ob das Betriebssystem der Kartenterminals so alt ist, wie Windows XP. Das Schild "Keine Kartenzahlung möglich" weist mich aber rechtzeitig darauf hin.

Ich lese es. Und stutze. Und wundere mich. Ich weiß, was mir gesagt werden soll. Aber ich vermute, dass die Botschaft nicht stimmt. Denn "keine Kartenzahlung" war doch immer schon möglich. Auch als es noch keine Hackerangriffe auf das böse kapitalistische System gab.

Ich durfte früher auch schon dieses Geschäft besuchen. Etwas stöbern, dies und das anprobieren, mich gegen einen Kauf entscheiden und mich höflich verabschieden. Ohne mit der Karte gezahlt zu haben. Keine Kartenzahlung. Das war möglich. Auch durfte ich im Lebensmittelgeschäft meiner Wahl den Einkaufswagen picke-packe-voll packen, mich an der Kasse anstellen, alles ganz ordentlich mit Geldscheinen bezahlen und den Laden mit meinem Einkauf verlassen. Ohne Kartenzahlung. Das war möglich.

Das heißt? Keine Kartenzahlung ist immer möglich. Außer in den Niederlanden, da konnte ich im Kino selbst meine Popcorn nicht mit Bargeld bezahlen, nur mit EC-Karte. Pinnen oder chippen. Keine Kartenzahlung unmöglich, zumindest wenn ich Popcorn wollte.

Wenn ich es recht bedenke, ist sogar ein Spaziergang, ein Mittagsschlaf oder eine Radtour möglich, ohne dass ich meine EC-Karte zücken muss. Bei all dem gilt also: Keine Kartenzahlung möglich.

Worauf ich hinauswill? Auf sorgfältige Formulierung! Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Schild, das mir sagt, dass "keine Kartenzahlung möglich" ist, will mir eigentlich sagen, "Kartenzahlung nicht möglich". Das ist aber nicht das gleiche. Es geht schließlich um eine Unmöglichkeit, nicht um Möglichkeiten. Auch wenn es pädagogisch (oder aus Marketingsicht) heutzutage en vogue ist, eine Aussage positiv zu formulieren. Nur muss es auch gelingen!

Und die nicht verbrauchte Kilowattstunde? Wie kann die die beste sein? Es gibt sie nicht! Denn sie wird erst hergestellt, wenn ich sie verbrauche. Es ist ja nicht so, dass ich mir eine Kilowattstunde Strom in den Schrank stellen kann. Da wäre sie dann gut, die beste denkbare Kilowattstunde, nach Aussage des Ministeriums. Wenn ich sie verbrauchen möchte muss ich wohl das Stromkabel an meine Kilowattstunde anschließen und dann den Fernsehen oder den Kühlschrank anschalten.

Den Liter Öl, okay, den gibt es. Zumindest solange ich ihn nicht verbrauche. Dann bleibt er im Tank oder unter dem Wüstensand der arabischen Halbinsel oder der russischen Steppe. Und ja, da ist er besser aufgehoben, als wenn ich ihn verbrenne. Dann wäre er nämlich weg. Aber zu sagen, dass ein Liter Öl, den es gibt, besser ist als einer, den es nicht gibt, führt zu keinem Erkenntnisgewinn.

Vielleicht sehe ich das alles aber auch zu kritisch.

2 Gedanken zu „Keine Kartenzahlung möglich

  1. Tobias

    Vielen Dank für den hervorragenden Beitrag.
    Unpräzise und oft falsche Formulierungen fallen mir immer häufiger im Radio, Fernsehen und in Zeitungen auf.
    Was bitte ist ein Verbrennermotor? Das Ding heißt Verbrennungsmotor. Oder ein 1,5-Grad-Ziel? Es geht wohl um die 1,5-Kelvin-Grenze, die für die Erderwärmung festgelegt wurde. Energieverbrauch? Energieerzeugung? Energie kann nur umgewandelt werden, ausgenommen im Kernkraftwerk, aber dort wird auch "nur" Masse in Energie umgewandelt (die Formel dazu kennt jeder: E=mc²).
    Und seit wann verbrauchen wir Kohlendioxyd oder müssen es sparen? Abgesehen davon, daß die IUPAC dieses Gas schon vor einiger Zeit in Kohlenstoffdioxyd umbenannt hat: es geht um die Erzeugung und den Ausstoß, also genau um das Gegenteil.

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