Gedicht: Fast in der Zeit
Fast in der Zeit
gerade eben, für eine Sekunde
war ich fast in der Zeit
ich war bereit, zu erkunden
und zu sehen, zu verstehen
was mich ausmacht – in der Welt
ich ahnte, was mich festhält
was mein Plan war, ich war Plan A
wie die Restwelt mich benestelt
es war klar und deutlich da
eben nur – beinah
es entschwebte, wie es kam, ja
nun ist Leere, wo der Plan war
wenn ich mich drehe
und mich winde
in mich gehe, mich verliere, verschwinde,
das Außen ins Innen gestülpt
und beginne
zu suchen was dort war
doch nichts finde
denn es war nur mehr vage,
fast zum Greifen, Begreifen
wie wunder-voll und wunder-bar es war
als es auf-blitzte, durch-schimmerte, zwischen-leuchtete
mir ein-leuchtete, für einen Augenblick
mich er-schimmerte, für einen Fingerschnipp
mich logisch an-log, für einen Uhrzeigertick
mich durch-blitze ein Strom
der Nerv, das Gefühl
von festem Irgendetwas
das in Resten von Irgendanderem wohnt
weil die Zeit es sich nimmt
in der Zeit doch nicht stimmt
und ich es durch-greife wenn ich zu-greife
die Haut ist die Grenze
zum bekannten Universum
innen das Un-, das Bekannte drumherum
der Finger ist Zeiger
der Ahnung zum Ding
das Auge ist Fenster,
das ins Sichtbare starrt
der Blick dort verharrt,
weil er den Schwindel nicht glaubt
den er selbst glauben macht
und erlaubt
dass der Zweifel erwacht
der alles aus-lacht
im Scheine des seienden Seins.
— Schwindel setzt ein
ich bin fest in der Zeit
und bereit mir zu glauben
als ich sagen mich höre
ich ertrüge die Ahnung von Welt
in mir und um mich
doch wer sieht, wenn ich schaue?
wer spricht, und wer lauscht,
wenn ich Selbstgepräche führe?
nie erführe ich das
denn die Zeit, die ich fand
glitt mir im Gewande der Nacht
aus der Hand
wie erdacht, geht der Gedanke aus
wir sind – doch wir haben uns nicht
der Philosoph, der so spricht
hat den Narren gesehen
auf dem Hügel hoch stehen
sieht die Sonne er gehen
doch meint er zu sehen
wie Welten sich drehen
was nützt mir die Zeit
die mir bleibt?
bin Momente mit Leib
ich bin manches Mal Ich
doch wenn ich hindenk, gerade nicht
Das Gedicht entstand im April 2017 und wurde erstmals auf der Lesebühne 4 Writer in Unna bei der Lesung zum Thema „fast in time“ vorgetragen. 2018 erschienen im Buch „Villa Später und andere Lesebühnentexte des Herrn Ivalo“.
