Das Jahr hat mir zwei neue Bücher beschert, mit ihnen zwei Regionen und zwei unterschiedliche Ansätze: Wandern mit Märchen im Münsterland und (noch einen Band) Lost Places, diesmal in Sachsen-Anhalt. Eines thematisches Neuland, das andere inzwischen Routine, das eine eher im Feel-good-Sektor, das andere im Abenteuer-Tourismus. Was sie vereint: Geschichten an interessanten Orten.
Manchmal gibt es Momente, in denen man nicht mehr etwas tut, sondern etwas ist. Für mich gab es so einen Moment im vergangenen Jahr. 2025 habe ich mich erstmals als Veganer gefühlt – und nicht mehr als jemand, der (überwiegend) vegan isst.
Das klingt nach Wortklauberei. Es ist aber ein Unterschied.
Du hast die Wahl: Tierleid oder Tierwohl - Illustration mit KI erzeugt
Es gibt viele Dinge, die ich sehr gut nachvollziehen kann, wenn es um Skepsis gegenüber veganem Essen geht. Wirklich. Ganz ohne Ironie.
Was ich verstehe: die Macht der Gewohnheit
Menschen essen, was sie gelernt haben zu essen. Kultur, Kindheit, Familie – das prägt. Wer 30 Jahre lang gelernt hat, dass Wurst normal ist und Soja exotisch, der wird das nicht in drei Tagen überdenken. Das ist nachvollziehbar.
Was ich auch verstehe: das Wegschauen
Das ist menschlich. Wir alle haben Dinge, die wir lieber nicht so genau wissen wollen. Dazu gehört vor allem der Herstellungsprozess von tierischen Produkten – und welche Konsequenzen er für die „Produzenten“ hat. Das hat (zunächst) nichts mit Bösartigkeit zu tun, sondern mit Selbstschutz.
Ja, ganz herzlichen Dank für die freundliche Einführung, äh, Frau Schmieder-Schwalenburg, also fürs Aufschließen. Danke, dass wir heute den kleinen Saal nutzen dürfen, also ja eigentlich den Besprechungsraum der Ortsteilbibliothek, ich nenne ihn für heute mal Kleiner Saal, also danke, dass wir ihn nutzen dürfen. Und danke, dass sie uns heute hier, wie gesagt, aufgeschlossen haben.
Ja, es ist ein feierlicher Moment. Ich darf Ihnen heute meinen 20. Gedichtband vorstellen. 20 Gedichtbände in 20 Jahren, das ist schon ein besonderes Jubiläum, nicht wahr?
Achtung! Diese Pommes frites sind vegan und könnten Ihr Freiheitsgefühl gefährden! - Illustration mit KI erzeugt
Eigentlich war es ja gut gemeint. Die Deutsche Bahn kennzeichnete während einer Aktion zum veganen Monat Veganuary viele Produkte im Bordbistro als vegan. Auch Pommes frites – die ja in der Regel ohnehin rein pflanzlich sind. Doch anstelle von Werbung war es eher das Gegenteil: Die Kennzeichnung vegan schreckte offenbar eher ab, als dass sie für pflanzliche Kost geworben hätte. Das Label löste also keine Begeisterung aus, sondern Reaktanz.
Alles findet seinen Platz - in Räumen und in Zwischenräumen
In der Gartenkolonie am See, am Rande der Stadt, hatte alles seine Ordnung. Schließlich ist die Gartenkolonie als ein Verein organisiert, der wiederum Mitglied im Landesverband der Gartenkolonien ist, der seinerseits im Bundesverband der Gartenkolonien Mitglied ist. Es gibt also genügend Ebenen, die Regeln erfinden, diskutieren, beschließen und überprüfen können.
Am Anfang war der vegane Aufschnitt – aus Weizenprotein und Erbsen. Wichtig war die Wiedererkennbarkeit des Vertrauten. Doch wer länger vegan lebt, entdeckt bald: Das wahre Glück liegt nicht in der Reproduktion von Aufschnitt, sondern in der geeigneten Form für die neuen Inhaltsstoffe. Für mich ist es der Aufstrich – ein Plädoyer für pürierte Bohnen, kreative Resteverwertung und den Mut, das Floß am Ufer zurückzulassen.
Kopf hoch: Noch gibt es genügend Sonne für die große Sonnenblume
Der Sommer kam ...
Der Sommer kam, in der Gartenkolonie am See, am Rande der Stadt, und er ging. Er brachte Fülle, er brachte Früchte, Blüten, Düfte, er brachte Wachstum und vor allem brachte er Arbeit. An vielen Tagen stand die Sonne hoch über dem gegenüberliegenden Ufer des Sees, seine kräuseligen Wellen spiegelten die Strahlen und warfen ein blendendes, fast toskanisches Licht in unsere Parzelle, das wir von unserem Terrassenplatz im ersten Rang über dem See reichlich genossen. Die Sonne dörrte die Erde aus, in den Beeten, unter dem Rasen, die Regentonnen leerten sich schnell in diesen Tagen. Und doch kamen die Erd- und Brombeeren, Mangold, Möhren, Bohnen, Zucchini, Kirschen und Kartoffeln reichlich. Auch die Tomaten, bis, nach einigen Regentagen, eine bräunliche Fäule sich zunächst des Blattwerkes später auch der Früchte bemächtigte.
Das Land der Frühaufsteher, das Land von Martin Luther, Bauhaus-Land, ein Land, das modern denkt. So gibt sich Sachsen-Anhalt in seiner offiziellen Außendarstellung. Doch wie wird es gesehen? Das Reiseportal Travelbook ermittelte 2021 per Umfrage das schönste Bundesland. Sachsen-Anhalt landete weit hinten. Nur Bremen und Berlin schnitten schlechter ab.
Ein geselliger Abend im Restaurant, ein fröhliches Treffen im Bekanntenkreis – für Veganer*innen kommt es dabei regelmäßig zu einem heiklen Moment: Beim suchenden Blick auf die Karte: Gibt’s hier auch was Veganes? Oder beim Zusammenstellen des Essens aus veganen Komponenten.
Oft ist die Auswahl überschaubar. Manchmal muss man sich das Gericht wie ein Mosaik zusammensetzen: „Salat nur mit Essig und Öl, Gemüsebeilage, aber bitte ohne den Frischkäse-Dip, und noch eine Portion Pommes frites – und das Brot vielleicht extra …?“ Voilà, Bestellung geglückt. Der Kellner schaut schon etwas genervt, die anderen Gäste haben alle die 132, 87 oder 16b bestellt.