
Das Jahr hat mir zwei neue Bücher beschert, mit ihnen zwei Regionen und zwei unterschiedliche Ansätze: Wandern mit Märchen im Münsterland und (noch einen Band) Lost Places, diesmal in Sachsen-Anhalt. Eines thematisches Neuland, das andere inzwischen Routine, das eine eher im Feel-good-Sektor, das andere im Abenteuer-Tourismus. Was sie vereint: Geschichten an interessanten Orten.
Beide Bücher haben mich durch große Teile des Jahres begleitet – nicht nur am Schreibtisch, sondern unterwegs. Das Münsterland-Buch habe ich mir erwandert: vertraute Landschaften, und der Versuch, Orte nicht nur zu beschreiben, sondern ihnen Raum zu geben. Sachsen-Anhalt war das Gegenstück: Recherchefahrten, Karten, verlassene Gebäude, spontane Abzweigungen, Orte, die Überraschungen boten und gerade deshalb Geschichten tragen. So unterschiedlich die Arbeitsweisen waren, so sehr haben sich beide Projekte gegenseitig ergänzt. Sie haben mir erneut gezeigt, wie weit das Feld ist, in dem ich mich schreibend bewege – und wie sehr ich diese Spannung zwischen Ruhe und Abenteuer brauche. Was mich besonders freut: Ein zweites Wanderbuch hat gegen Ende des Jahres bereits eine gute Form angenommen. Es brachte mich zu den Mecklenburgischen Seen.
Lesungen, Bilder, Begegnungen
Zu den Büchern kamen die Lesungen. Besonders die Abende mit Lost & Dark Places als Fotovortrag haben mir in diesem Jahr viel bedeutet. Das Zusammenspiel von Bildern, Text und direkter Reaktion des Publikums verändert jede Geschichte ein wenig. Man merkt sofort, wo es still wird, wo jemand lächelt, weil ein Ort plötzlich vertraut wirkt, obwohl man ihn noch nie betreten hat. Diese Abende sind kein bloßes Vorlesen – sie sind Gespräche mit offenem Ausgang.
Ein Zuhause für Texte in Schwerin: 3 auf A4
Ein fester Ort für Geschichten hat sich 2025 etabliert: Die Lesebühne 3 auf A4 hat im Nachbarschaftstreff Café Kränzchen in Schwerin ein Zuhause gefunden. Monat für Monat trifft sich dort eine vertraute literarische Gemeinschaft. Wir lesen Humorvolles, Nachdenkliches, Skurriles, Lyrisches, Plattdeutsches, begleitet von Gitarre und viel Neugier auf das geschriebene Wort. Es ist zu einem verlässlichen, monatlichen Lese-Anker geworden.
Stimmen der Stadt in Selm: SELMagazin und SELMundart
Parallel dazu hat sich auch das SELMagazin neu geformt. Gemeinsam mit dem Podcast SELMundart ist daraus 2025 wieder etwas Lebendiges geworden: ein Stadtblog, das Schritt für Schritt an Kontinuität und Fahrt gewonnen hat. Texte, Gespräche, Begegnungen, Stimmen aus Selm – kleine Geschichten am Wegrand, die für das Stadtgefühl erstaunlich wichtig sind.
So sind in diesem Jahr zwei sehr unterschiedliche, aber im Kern verwandte Projekte gewachsen: die Lesebühne in Schwerin und das Stadtblog in Selm. Beide leben von Menschen, die kommen, zuhören, mitmachen oder lesen, teilen und kommentieren. Beide sind für mich keine bloßen Formate, sondern lebendige Literaturorte geworden.
Zwischen Beeten und Seiten: die leiseren Texte
Neben all dem blieb Raum für zwei kleine Serien, die 2024 begannen und sich 2025 festigten: die Gartengeschichten und meine vegane Kolumne Veni, vidi, vegi. Kleine Alltagsbeobachtungen, vielleicht unspektakulär, aber sie halten meinen Blick wach, geben mir ein Thema – und meinem Blog eine Struktur. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Was bleibt
2025 war nicht das Jahr für große Sprünge. Und doch ist viel passiert. Vieles hat sich als standhaft erwiesen, vieles von dem, was ich mit meinem Schritt in die Selbständigkeit begonnen habe, wirkt belastbar und dauerhaft. Die Bücher bleiben keine Eintagsfliegen; hier entsteht eine Serie, die mich selbst oft staunen lässt: Hui, das habe ich alles geschrieben?
Ich sage mir oft: Danke, dass ich das darf. Und danke, dass es weitere Projekte, Themen und Regionen gibt, denen ich mich widmen darf.
Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Jahres:
dass ich nicht alles gleichzeitig sein muss – sondern nur aufmerksam genug, um dem, was entsteht, eine Form zu geben. Hier blitzt ein Projekt auf, dort beginnt ein anderes zu leuchten. Ich bin gerne dabei und gehe den Weg, der sich mir öffnet. Ich freue mich auf 2026. Ja.
