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Greta, gib uns Klima – Gedanken zur Klimakonferenz 2019

Fahrrad Gazelle
Am besten mit dem Radel unterwegs? Wie nachhaltig können wir leben?

Es ist eigentlich völlig logisch, es bedarf keines Zögerns, keines Nachdenkens, ja nicht mal einer Debatte, geschweige denn einer Konferenz: Seit vielen Jahren ist es deutlich, dass das Klima sich wandelt und unser Planet stets weniger bewohnbar droht zu werden. Der einzige Planet, den wir haben.

Das dürfen wir nicht zulassen, da müssen wir doch handeln! Jetzt sind sich sicher alle Länder, alle Menschen einig, dass der Erhalt der Lebensgrundlagen höchste Priorität hat! Dass nationale Interessen ab sofort hintenan stehen müssen, dass Solidarität gefragt ist, nicht Abschottung. Bereit sein zum Wandel. Denen helfen, die es nicht so einfach umsetzen können, wie die reichen Länder des Nordens.

Ja, so sollte es sein. Erstaunlich, dass es nicht so ist! Die große Frage: weshalb!

Kein Nachrichtenwert: Der Klimawandel ist ein schleichender Prozess

Der Wandel des Klimas passiert nicht plötzlich. Er ist ein schleichender Prozess, über Jahrzehnte und länger. Hier eine Sturm, dort ein Hochwasser, da ein Dürresommer. Gab es alles schon mal. Doch in der Häufigkeit halt nicht. Und eine Durchschnittstemperatur, die jährlich um einige Zehntel Grad ansteigt, die spürt man dennoch nicht. Und die hat auch nicht immer Nachrichtenwert. Ein Winter mit Schnee und schon erheben sich die Stimmen, die sagen: "Wo ist denn bitte Euer Klimawandel?" Puh, Glück gehabt, wir müssen uns nicht ändern!

Doch, es gibt ihn den Klimawandel, das wussten 1972 bereits die Wissenschaftler des Club of Rome, das wissen heute 99,9 % der seriösen Klimaforschenden. Leugnen tun es heute nur noch wenige und die werden überraschend oft von Mineralölgesellschaften fürs das Sähen von Zweifeln bezahlt.

Ein paar mehr, doch immer noch die große, große Minderheit, leugnen, dass der Mensch die Triebfeder dieses Wandels ist, in Form von Treibhausgasen, zuvorderst CO2 , und Methan aus Wiederkäuermägen, aus der Großviehzucht.

Ich erinnere mich an eine Fernsehsendung von 1978, "Der Ast auf dem wir sitzen" von Hoimar von Ditfurth. Ich war zehn Jahre alt. Seitdem bin ich ein Klimaaktivist, zumindest im Geiste. Mal mehr, mal weniger aktiv, mal mehr mal weniger missionarisch unterwegs. Seither bin ich überzeugt, dass wir, die Menschen, verantwortlich sind für unser Handeln und dass wir die Umwelt auf keinen weiter Fall weiter ausbeuten dürfen, derart, wie wir es seit mehr als hundert Jahren tun.

Der Schulstreik als Game-Changer

Es hat weitere 30 Jahre gedauert, bis ein 15-jähriges Mädchen in Schweden gegen die Tatenlosigkeit der Politik protestiert und für einige Stunden in der Woche anstelle zur Schule zu gehen, sich vor das schwedischen Parlament setzt, mit einem Schild "Schulstreik für das Klima".

Innerhalb eines Jahres hat Greta Thunberg eine weltweite Bewegung losgetreten. Schülerinnen und Schüler streiken weltweit in ihrem Namen, Greta selbst hat auf allen wichtigen Kongressen reden dürfen, sie ist vom Time Magazin zur Person des Jahres gewählt worden, zum Friedensnobelpreis hat nicht viel gefehlt.

Alle kennen Greta, sie ist zum Symbol geworden, im Positiven, wie im Negativen. Politikerinnen und Politiker loben oder beleidigen sie, in Diskussionen wird sie verehrt oder gehasst. Jeder ihrer Schritte wird in sozialen Medien kommentiert. Doch seit ihrer Bewegung heißt Klimawandel jetzt Klimakrise.

Sie hat es geschafft, dass ein sich langsam erwärmender Planet es wieder in die Top-Nachrichten schafft. Und das ist gut so, vor allem wirklich notwendig! Erst eine, inzwischen, 16-Jährige erinnert uns, dass wir uns dieses "Weiter so" nur noch wenige Jahre erlauben können. Dass wir noch eine endliche und überschaubare Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre entlassen können, wenn wir nicht riskieren möchten, dass die Klimakrise irreparable Schäden an unserem Planeten anrichtet. Dass Regionen unbewohnbar, Küstenstädte unschützbar, landwirtschaftliche Produktion an vielen Orten unmöglich wird. Wer heute 16 ist, wird diesen Zeitpunkt höchstwahrscheinlich erleben. Wenn wir nicht gegensteuern. Und zwar sofort! Das ins gemeinschaftliche Gewissen zu rufen, haben nicht Tausende von Wissenschaftlern geschafft, die seit Jahren mahnen. Es brauchte ein Mädchen, das die Schule schwänzt, weil sie um ihre eigene Zukunft fürchtet.

Und da sind wir wieder bei der Klimakonferenz 2019 im Madrid, die mit einem Minimalkonsens auseinanderging. Die keine Maßnahmen beschlossen hat, die keinen Schritt weiter gegangen ist, als ein: "Liebe Länder der Welt, erinnert Euch, dass Ihr doch etwas tun wolltet, also bitte, bitte, tut was!" Hier hatte ich auf einen Ruck gehofft, eine Bereitschaft nun endlich zu handeln und Maßnahmen zu beschließen, die wirklich greifen und angesichts der Klimakrise notwendig sind. Gehofft, aber nicht wirklich erwartet.

Der Ruck blieb aus, was jetzt?

Und jetzt? Resignieren? Oder die Proteste weiterführen, intensivieren? Wessen Aufgabe ist es denn jetzt, etwas zu tun? Die der Politik, oder die jeder und jedes Einzelnen? Und vor allem was?

Sowohl als auch! Politik und Individuum, beide Ebenen sind gefragt. Es nützt nichts, auf die andere zu zeigen und zu sagen, ihr müsst zuerst etwas tun. Die Politik hätte Angst vor fehlender Akzeptanz der Wählerinnen und Wähler, diese wiederum könnten sagen, was bringt es, wenn ich allein etwas tu. Und zu Recht.

Und doch ist mir in meinem Handeln der Umweltaspekt immer wichtig. Vieles, was ich tu, stelle ich unter die Frage der Umweltverträglichkeit. Seit vielen Jahren esse ich kein Fleisch und verzichte auf Flugreisen. Absolute Konsequenz erwarte ich von niemandem, aber bereits eine Tendenz würde dem Klima bereits helfen. 30 % weniger tierische Produkte, weniger Flugreisen, ein Grad weniger Heizen, dort, wo es geht Solaranlagen aufs Dach. Dann würde die Tendenz schon mal stimmen.

Leider fahre ich viel Auto, doch auch hier bin ich auf ein kleineres Modell umgestiegen. Selten schneller als 130 km/h, meist langsamer, um umweltschoneder zu Fahren, positiver Nebeneffekt: seither fahre ich deutlich gelassener. Ich habe nicht den Anspruch, perfekt zu sein, aber das zu tun, was ich kann.

Der Flieger geht doch sowieso!

Leider sehe ich das in meinem Umfeld eher selten und ernte viel Unverständnis:
"Was nützt es denn, wenn Du jetzt nicht fliegst, der Flieger geht doch auch ohne Dich!"
"Einer alleine kann doch nichts ändern, also macht es nichts aus, ob ich jetzt auf Fleisch verzichte oder nicht."
"Klimawandel ist schlimm, aber wir können eh nichts mehr machen, das Ding ist gelaufen."

Das sind Reaktionen im Bekanntenkreis und noch nicht mal die Meinungen derer, die sagen, "der Klimahype" sei völig übertrieben, so schlimm werde er nicht eintreten, denn "das Ozonloch und das Waldsterben haben wir schließlich auch überlebt". Das haben wir! Vor allem, weil wir reagiert haben. Auf deutlich weniger komplexe Krisen.

Auf psychologischer Ebene kann ich diese Reaktionen gut nachvollziehen, doch fällt es mir zunehmend schwerer, darauf zu reagieren. Zuletzt versuchte ich eher eine Diskussion zu verlassen, als zu überzeugen. Das hinterlässt bei mir jedoch eine wachsende Ratlosigkeit und Unzufriedenheit.

Vielleicht sind wir ja irgendwann so weit und können intelligente Technik nutzen, die genügend CO2 aus der Atmosphäre zieht, auf die manch konservativer Geist hofft. Doch so lange diese nicht in Sicht ist, kommen wir nicht umhin, wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Nachhaltige Energien weiter ausbauen, weltweit auf pflanzliche Nahrung setzen und auf sparsamere Mobilität fördern sind erste mögliche Schritte. Selbst für die fehlt offenbar die Bereitschaft.

Der Verdienst von Greta Thunberg ist es, dass sie die Klimakrise in ein breites Bewusstsein gerückt hat. In einem Jahr ist aber offenbar in viele Kreisen noch nicht durchgedrungen, dass neben einem Lob für ihr Engagement auch Taten folgen müssen. Die Zeit wird knapp.

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